2018.09.17 - Seit wann schwimmen die Menschen?

2018.09.17 - Seit wann schwimmen die Menschen?

Seit wann schwimmen die Menschen?

Aus irgendeinem Grund glauben wir, dass Schwimmen ein moderner Sport sei, und dass der Mensch der Vergangenheit kein guter Schwimmer war. Immer mehr historische Quellen bestätigen das Gegenteil, dass das Schwimmen seit ewigen Zeiten Teil der menschlichen Zivilisation sei.

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„Wird man Leuten, die … weder schwimmen noch lesen können, ein Amt übergeben?” – fragte Platon. Schwimmen war ein wichtiger Teil der Alltage sowohl bei den alten Griechen, als auch bei den Ägyptern, Japanern, Chinesen, Germanen und Magyaren. Die Höhle der Schwimmer wurde im südwestlichen Ägypten entdeckt, nahe der Grenze zu Libyen, und sie enthält Malereien von schwimmenden Figuren. Bei den Assyrern war Schwimmen ein wichtiger Teil der Kampfausbildung, diese sind auf Reliefs zu sehen, und auch für die Jugendliche in Israel war die Wissenschaft des Schwimmens obligatorisch. Unter Herodes (73 v. Chr. - 4 v. Chr.) war das Schwimmen für alle Jungen obligatorisch. In Ägypten gibt es Reliquien, die mehrere Schwimmarten (Freistil, Brust, Rücken) zeigen, eine dieser befindet sich in Beni Hasan, und stammt aus der Zeit der 11 Dynastie, 2000 v. Chr. In Königsgräbern finden wir Beweise dafür, dass die Ägypter, neben den drei erwähnten Schwimmarten, auch das sogenannte Altdeutsch-Rücken kannten. In Japan war das Schwimmen ein wichtiger Teil der Ausbildung der Samurai. Es gehörte zu den edlen Fähigkeiten. Gemäß historischen Quellen wurde der erste Schwimmwettkampf in Japan organisiert, in 36 v. Chr. unter Kaiser Sujin. In China erlebte die Körperkultur ihre Blütezeit während der Zhou-Dynastie (im 11-3. Jhd. v. Chr.). Die Historiker berichten über Flußdurschwimmen-Wettbewerbe aus dieser Periode. Ausnahmen gab es auch in der Antike: Alexander der Grosse konnte angeblich nicht schwimmen.

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Das dunkle Mittelalter

Das Mittelalter war der Durchbruch für das Schwimmen und die ganze Körperkultur. Die Menschen hielten die Gewässer schuldig für die Ausbreitung der Pestepidemien und deswegen wurde das Schwimmen aus der alltäglichen Praxis vertrieben. Ein Grund für die Kriegserfolge der Vorfahren der Magyaren war, dass sie gewandt im Schwimmen waren. Es kam oft vor, dass die west-europäische feindliche Truppen am Flussufer lagerten, weil sie sich vom Fluss geschützt fühlten. Die leichte Kavallerie der Magyaren jedoch schwamm durch die breitesten Flüsse und konnte aus unerwarteten Richtungen ihre Angriffe führen.

Die Mode des Mittelalters änderte sich mit der Zeit in verschiedenen Weisen. Ab dem 17. Jahrhundert wurden mehrere Lehrbücher über Schwimmen veröffentlicht und es gab auch Fachbücher über Körperübungen die sich auch mit Schwimmen beschäftigten. 1741 erschien das Buch von Johann Friedrich Bachstrom, das wahrscheinlich die erste Fachliteratur der Wasserrettung war. Während Bachstrom für die Einführung der Schwimmunterrichte in Schulen kämpfte, verbot Maria Theresia das Schwimmen in ihrer Schulreform mit dem Titel „Ratio Educationis”. Die Wende kam mit den napoleonischen Kriegen. Für die Truppen Napoleons war das Schwimmen Teil der Ausbildung. In zahlreichen Ländern jedoch, auch in Ungarn, war das Schwimmen und Baden in offenen Gewässern verboten. In den napoleonischen Kriegen war die Ertrinkungsrate der Soldaten der Habsburger Monarchie sehr hoch. Diese Tatsache öffnete die Augen des Lagers der gegen Schwimmen war, und in der zweiten Hälfte der 1810er Jahren wurden Flussbäder in Zagreb, Bratislava, Buda (in der nähe der heutigen Széchenyi-Kettenbrücke) und Komorn errichtet. Diese wurden ausschließlich von Soldaten benutzt, und mit der Zeit konnte auch die Öffentlichkeit sie besuchen.

In Ungarn spielte der Graf István Széchenyi eine wichtige Rolle in der Popularisierung des Schwimmens. Er selbst schwamm täglich in der Donau, und schwamm mehrmals den Fluss durch. Miklós Wesselényi ist der bekannteste und einer der größten Schwimmern der Zeit. Er machte das Schwimmen im Balaton populär. 1836 durchschwamm er nach dem Anna-Ball den Balaton zwischen Füred und Tihany. Kálmán Szekrényessy war einer der ersten ungarischen Langstreckenschwimmern. Als er Offizier war, trainierte Szekrényessy im Schwimmbad und an seinen Dienststellen bewies er seine Tauglichkeit oft mit langen Schwimmstrecken. Bei Konstantinopel durchschwamm er den Bosporus, und 1877 den Sueskanal.

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Der Schwimmsport

Für eine lange Zeit war im Schwimmen nicht der Zeit und nicht die Geschwindigkeit, was die Schwimmer motivierte, sondern die Distanz, die sie bewältigen konnten. Die Chroniken berichteten von Fluss- und Seedurchschwimmen, und bei Küstenvölkern von Kanaldurchschwimmen. Die ersten Schwimmwettkämpfe fanden in Flüssen, Seen und Kanäle statt. 1875 schwamm Matthew Webb als erster Mensch ohne Hilfsmittel die Strecke von Dover nach Calais, wozu er weniger als 22 Stunden benötigte. Die Strecke war 34 Kilometer lang, aber angeblich schwamm er insgesamt 64 Kilometer, weil er im Zickzack schwamm. Zum Schutz gegen das kalte Wasser (16 C°) schmierte er seinen Körper dick mit Fett ein. Laut der Aufzeichnungen, absolvierte er die ganze Strecke im Brustschwimmen.

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es Vereine in den meisten Ländern Europas die Schwimmwettkämpfe organisierten, und 1908 wurde die FINA (Federation Internationale de Natation de Amateur) gegründet.

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Seit den ersten olympischen Spielen in 1896 war Schwimmen immer Teil des Programms. Bei den ersten drei olympischen Spielen wurden die Wettkämpfe im Freiwasser organisiert, und seit den olympischen Spielen in London 1908 finden die Schwimmwettkämpfe in Schwimmbäder statt. Alfréd Hajós gewann die erste Schwimm-Olympiamedaille der Neuzeit in Athen, im kalten Wasser der Bucht von Zea - 11–12 C°. Er schmierte seinen Körper umsonst mit Wachs ein, sein Körper wurde vom kalten Wasser steif, „er schwamm für sein Leben“ – schreibt er in seinem Buch, aber am Ende gewann der „ungarische Delphin“ im 100 m und 1200 m Freistil 

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Obwohl die Frauen bereits 1900 an den olympischen Spielen teilnehmen konnten, im Schwimmen wurden sie nur ab 1912 zugelassen. Sie konnten zwar an den Wettkämpfen teilnehmen, sie waren jedoch nur toleriert. Die Teilnahme war auch schwer, denn sie müssten bedeckt vom Hals bis zu den Knöcheln in ihren Badeanzügen schwimmen, obwohl diese nicht einmal für Baden bequem waren. Ihre Teilnahme wurde nur für die 100 m Freistil und die 4 x 100 m Staffelwettkämpfe zugelassen. Das damals für „schamlos“ gehaltene Rückenschwimmen, wobei der Bauch und die Brüste sichtbar waren, wurde bis 1924 verboten.