2018.08.13 - Der Bikini war nicht die erste – und auch nicht die letzte – skandalöse Badebekleidung

2018.08.13 - Der Bikini war nicht die erste – und auch nicht die letzte – skandalöse Badebekleidung

Der Bikini war nicht die erste – und auch nicht die letzte – skandalöse Badebekleidung

Früher hat er eher verdeckt, heute zeigt er viel, aber es gab viele Skandale, die seine Laufbahn begleitet haben. Badeanzüge waren früher tatsächlich Kleidungsstücke, heute sind sie nur einige Gramm Textilien. Die Bekleidung - oder eher Auskleiden - an den Stränden - stand immer im Mittelpunkt des Interesses, und es gibt viele Skandale mit ihr verbunden. Der Bikini war nicht der erste, und auch nicht der letzte.

Bikini

1956, Brigitte Bardot am Set des Films „Und immer lockt das Weib”
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1946 entwarf Louis Réard den Bikini. Namenspate dafür war das Bikini-Atoll, Schauplatz zahlreicher Kernwaffentests, aber das kleine Wort „bi” kann auch auf die Zweiteiligkeit hindeuten. Als französische Kreation wurde er gleichzeitig durch Jacques Heim herausgebracht und ursprünglich „Atom“ genannt. Das Wort „Atom“ wollte auf die Kleinheit der Bekleidung hindeuten. Es scheint, als wären der Bikini und der Anfang des Atomzeitalters miteinander verknüpft. Der Skandal fing bereits vor der Präsentation an, denn keiner der professionellen Mannequins die Kreation präsentieren wollte und so engagierte Réard dafür eine Nackttänzerin. In den meisten Staaten der USA wurde der Bikini sofort verboten, und auch in den konservativsten Ländern Europas – wie z.B. in Italien und Spanien – war das Tragen des Bikinis gesetzlich verboten. Sogar der Papst hat über die teuflische Bekleidung gesprochen. Der Bikini brauchte 16 Jahre, bis er akzeptiert wurde, und darin spielten ikonische Filme, wie zum Beispiel Roger Vadims „Und immer lockt das Weib” eine große Rolle, denn in diesem Film erscheint Brigitte Bardot in einem Bikini zum ersten mal auf der Leinwand. Der letzte Schlacht des Krieges zwischen Moral und Bikini gewinnt der Atomzeitalter mit einem James-Bond-Film aus dem Jahre 1962 mit dem Titel „James Bond – 007 jagt Dr. No”, in dem Ursula Andress in einem weißen Bikini aus den Fluten des Meeres steigt, und von da an träumte jede Frau von einem eigenen Bikini. Die Skandale haben der Bikinibranche gut getan. In einem rebellischen Zeitalter möchte niemand altmodisch erscheinen, und am Ende des 20. Jahrhunderts haben Frauen weltweit jährlich ungefähr 800 Millionen USD für Bikinis ausgegeben.

 Bikini hosszú

Um 1900, Annette Kellerman, im selbst entworfenen Badeanzug
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Fröhliche Friedenszeiten?

Die Jahrzehnte vor dem Bikini waren auch nicht frei von Skandalen, denn um ein so kleines Bekleidungsstück akzeptiert zu machen, müssten die Anhänger der Freikörperkultur viele Schlachten gewinnen. Aus den Zeiten vor dem 19. Jahrhundert gibt es wenige Berichte über Skandale um Badebekleidungen, obwohl es bestimmt viele Menschen gab, die die Normen der jeweiligen Zeit überschritten haben. Im Mittelalter badeten Frauen und Männer getrennt – nackt. Im Zeitalter der Aufklärung waren die Badebekleidungen mit der Straßenbekleidung beinahe identisch, zumindest was das Material und die bedeckten Oberflächen betrifft.

Ein Meilenstein der Skandale vor dem Bikini war das Jahr 1907. Die australische Schwimmerin Annette Kellerman, eine der ersten Frauen, die versucht haben den Ärmelkanal schwimmend zu überqueren, hat einen neuen einteiligen Badeanzug entworfen, der die Konturen des weiblichen Körpers nicht versteckte, aber den ganzen Körper bedeckte. Der Grund dafür war, dass die früheren puffigen Badebekleidungen das Schwimmen unmöglich machten. Annette Kellerman war auch eine Show-Schwimmerin, sie führte in einem wassergefüllten Tank dem Synchronschwimmen ähnliches Wasserballett vor. Dazu trug sie einen eng anliegenden Badeanzug mit kurzen Ärmeln und Beinen, den sie nach dem Badeanzug der Männer machen ließ. 1907 wurde Annette Kellerman in Boston wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen…

Später war sie auch eine Anhängerin der Freikörperkultur und der Fitness. 1916 war sie im Film mit dem Titel „A Daughter of the Gods“ die erste Person, die in einem Film vollständig nackt auftrat. Die der feministischen Bewegungen naheliegenden Bestrebungen haben sich langsam über die viktorianische Moral durchgekämpft. Frauen durften zuerst an den Olympischen Speielen 1912 in einteiligen Badeanzügen schwimmen, später wurde der Beinteil immer kürzer, der Nacken und der Schulter immer dekolletierter, obwohl in den USA der 1920er maßen die Polizisten die Kostümlänge mit Maßband nach. Die zeitgenössischen Strandphotos zeigen dass sich die Menschen in den 30er Jahren mit ihren Badeanzügen wenig beschäftigten, jeder bewegte sich natürlich darin und genieß das Wasser und die Sonne. Das war die Zeit, wenn es neue Stoffe auf dem Badeanzugmarkt erschienen. Woll- und Baumwollstoff waren für Badeanzüge nicht geeignet, denn im nassen Zustand schwer zu tragen war. Außerdem wird die Baumwolle in Berührung mit Wasser durchsichtig, was unangenehm für die Trägerin sein kann. Jersey und andere Kunstfaserstoffe sind flexibel, nehmen nicht so viel Wasser auf, und so verlagerte sich der Schauplatz der Badeanzug-Revolution für eine Zeit aus der Welt der Formen in die Welt der Stoffe.

fürdőruhák

Gellért-Bad, 1930
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Skandale nach dem Bikinizeitalter

Heutzutage gibt es auch Skandale mit Badeanzügen, obwohl die Moralauffassung viel freier sei, als früher. Dennoch es gibt bestimmte Konventionen, die man nicht überschreiten darf. Der Streit geht immer zwischen den Rechten des Individuums und den Erwartungen der Gemeinschaft, obwohl heute das Individuum am Gewinnen sei, und die Erwartungen der Gemeinschaft eher nur Nachhutgefechte führen. Es ist auch interessant, dass die Skandale fast ausschließlich die Frauenbekleidung betreffen, als ob wäre ihre Nacktheit oder Bedecktheit viel interessanter, als die der Männer. Aber es scheint, dass diese Asymmetrie die Männer nicht stört.

Einer der typischen Skandale der letzten Zeit betrifft Badebekleidungen von Kindern – darunter natürlich die der Mädchen – denn die Firma Abercrombie & Fitch hat skandalverdächtige Badeanzüge auf den Markt gebracht. Das Modelabel verkaufte Push-Ups für Kinder und Teenies zwischen 7-14 Jahren, wovon die Mädchen reifer aussahen, als sie eigentlich waren. Bei früheren Skandalen ging es um Erwachsene, und wir haben vielleicht die Moralapostel auch belächelt, aber die Minderjährigen unserer Tage sind einer noch nie erlebten Sexualität ausgesetzt, was ihre persönliche Entwicklung gefährden kann. Nicht nur mit den Kleidungsstücken, aber auch mit der Präsentation von viel zu jungen Models gefährden die Unternehmen die intellektuelle Reifung von Kindern indem sie die Kinder als reife und sexy Erwachsene behandeln.

 bikini

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 Bei einem anderen Skandal geht es auch um den Bikini, aber nicht an den Stränden, sondern in der Welt der Schönheitswettbewerbe. Viele empfinden es als erniedrigend, dass die Teilnehmer der Schönheitswettbewerbe in einem Bikini, dass heißt fast nackt, vor dem Jury und dem Publikum auftreten müssen, deswegen fehlt diese Runde vom Miss America Schönheitswettbewerb. Die Idee der Schönheit – wie es scheint – ist in der Übergangsphase, und sie zieht aus der Richtung der körperlichen Schönheit in die Richtung von mehr ätherischen Regionen. Das ist völlig in Ordnung, wenn sie von einer echten Nachfrage geschaffen wird, jedoch viele bringen diese Phobie mit der #MeToo Kampagne in Verbindung und vermuten Manipulation im Hintergrund.

burka

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Zu viel ist auch nicht in Ordnung - der Burka-Skandal...

Der Burkini wurde 2004 von Ahenda Zanetti in Australien entworfen. Burkini ist ein Kofferwort aus „Burka“ und „Bikini“, und er bezeichnet eine Badebekleidung, die auch von muslimischen Frauen getragen werden kann, denn er bedeckt den Körper, die Haare und ist auch für Schwimmen geeignet. Es ist ein Skandal, dass eine Frau ihren Körper zu viel bedeckt, und nicht zu wenig? Wer hätte das 50 Jahre nach dem Bikini gedacht? Der Burkini wurde ein großer Erfolg bereits im ersten Jahr, aber er führte zur Ablehnung aus mehreren Gründen. Einerseits es besteht ein Widerspruch darin, dass die muslimischen Frauen, die auf die Moral achten im selben Pool mit – in ihren Augen – schamlos bekleideten westlichen Frauen in Bikinis zusammen baden. Die Gegner meinen, dass sie entweder die Gemeinschaft auch in der Bekleidung folgen, oder sie sollten anderswo baden. Eine ähnliche Situation ist wenn nackte Menschen auf dem FKK-Strand die bekleideten Bäder vorwurfsvoll ansehen. Der andere Teil des Skandals hatte ernstere Folgen, denn in einigen westeuropäischen Ländern wurde das Tragen von Burkinis teilweise aus gesundheitlichen Gründen verboten, und teilweise, weil er ein religiöses Symbol sei, und deswegen nicht getragen werden darf. Es sieht so aus, als bräuchte man immer etwas, was verboten werden kann, und darüber freuen sich natürlich die Journalisten am meisten, denn sie können auf dem Thema monate- oder sogar jahrelang „herumkauen“. Nur wenige sprechen darüber, dass der Burkini eine praktische Badebekleidung sei, denn er schützt effektiv vor Sonnenbrand, und aus diesem Grund ist er unter muslimischen Frauen auch immer beliebter.