2018.02.16 - Badekultur in der Welt

2018.02.16 - Badekultur in der Welt

Badekultur in der Welt

/Wie oft und wie baden wir?/

In den letzten Jahrtausenden hat die Badekultur auf unserem Planeten einen langen Reifungsprozess durchlaufen. Von Volk zu Volk es entstanden verschiedene Gewohnheiten, Glaubensrichtungen und kulturelle Regeln. Was geht und was nicht, wo, warum und um welchen Preis? Zahlreiche interessante Verhaltensweisen charakterisierten die Beziehung der Völker zur Körperpflege und Erholung. Die moderne, globalisierte Welt hat dieses bunte und vielfältige Bild verschwommen, aber es gibt noch Verschiedenheiten.

Um die Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich die Welt viel verändert. Das Leitungswasser ist weltweit allgemein geworden, die Menschen müssten für eine gründliche Körperpflege nicht in öffentlichen Bädern gehen. Die Bäder verwandelten sich in Plätze für Unterhaltung und Erholung. Heute besuchen wir die Bäder nur gelegentlich und nicht regelmäßig. Die zahlreichen religiösen Überzeugungen zum Baden scheinen auch auszusterben.

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Wie oft sollten wir baden?

Trotz der vielen Änderungen gibt es etwas was sich seit Jahrhunderten nicht geändert hat? Nichts anderes als der menschliche Körper. Unser Körper reagiert auf die aktuellen Gewohnheiten des Badens nach Regeln von Tausenden von Jahren. Das tägliche Baden zu Hause war eine Errungenschaft für den Menschen des 20. Jahrhunderts, aber am Ende des Jahrhunderts, immer mehr Menschen in den Wohlfahrtsstaaten, vor allem in Westeuropa, fingen an die Daseinsberechtigung des alltäglichen Badens zu bezweifeln. Wir Ungarn waren erstaunt, dass unsere Gäste aus dem Westen nur jeden zweiten oder dritten Tag badeten. Die Erklärung scheint logisch zu sein: Menschen, die geistige Arbeiten verrichten, schwitzen nicht so viel als würden sie auf den Feldern arbeiten und deswegen ist das regelmäßige Baden unnötig. Außerdem erhöht das viele Wasser, was wir während des Badens verbrauchen, unseren ökologischen Fußabdruck maßgeblich.  Darüber hinaus ist unsere Haut auch nicht dazu geeignet, jeden Tag im Wasser lange einzuweichen.  Alle drei Argumente sind berechtigt. Natürlich, müssen wir zwischen einem schnellen Duschen und einem langen und wasserverschwenderischen Baden einen Unterschied machen. Der zweite ist weder aus der Sicht der Wassereinsparung, noch aus der des Hautschutzes nicht vorteilhaft. Normalerweise ist unsere Haut mit einer dünnen Fettschicht bedeckt, was für eine gesunde Hautflora sorgt und schützt vor einem übermäßigen Austrocknen. Wenn wir diese Schicht durch häufiges, langes und warmes Baden und mit übermäßiger Verwendung von Reinigungsmitteln entfernen, wird unsere Haut austrocknen. Die ausgetrocknete Haut ohne eine normale Bakterienflora, ist ein guter Nährboden für fremde Infektionen und Pilze. Ein zu häufiges und intensives Baden bietet paradoxerweise offene Türen für die Krankheit. 

In Ungarn ist das häufige Baden für Stadtbewohner charakteristisch geworden, und für die große benutzte Wassermenge machen wir uns auch keine Sorgen.

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Nacktheit

Das Bad war immer ein symbolträchtiger Ort aus der Sicht des Anstands und der Etikette, denn die Nacktheit ist ein sensibles Thema. Das letzte Jahrhundert brachte viel Neues auf dem Gebiet der Geschlechterrollen, und die Geschlechtersegregation in den Bädern ist eine Seltenheit geworden. Zuerst eroberte der Bikini die Bademode, heute diskutiert man darüber, dass wenn Männer Monokinis tragen können, warum können Frauen dasselbe nicht tun. In Europa haben die Menschen einen zum Teil übereinstimmenden Standpunkt darüber, ob Frauen mit nackten Brüsten öffentlich baden dürfen oder nicht, aber nur zum Teil. In einigen Ländern Europas – z.B. in Italien – gibt es eine Geldstrafe für Monokinis, anderswo, auch wenn man nicht bestraft wird, wird man gewarnt die Etikette des Strandes einzuhalten. In anderen Ländern drückt man darüber die Augen zu. Die volle Nacktheit ist die Eigenschaft der FKK-Strände. Die Nacktheit ist eindeutig verboten mit der Ausnahme von Bädern mit entsprechender Spezialisierung. Das ist gültig auch in Ländern, wo das Baden ohne Kleider eine sehr lange Tradition hat, wie zum Beispiel in Deutschland oder in den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens.

Es gibt aber Bäder, wo die Nacktheit nicht verboten, sondern im Gegenteil, obligatorisch ist. In den traditionellen natürlichen Quellen Japans - in den so genannten Onsen – badeten Männer und Frauen vor mehreren Jahrhunderten ohne Trennung der Geschlechter unbekleidet, und diese Tradition wird bis heute gepflegt. Interessant in diesen Bädern ist, dass etwas anderes verboten ist, nämlich Tätowierungen. Personen die Tätowierungen tragen werden aus dem Bad hinauskomplimentiert oder überdecken die Tätowierung mit wasserfesten Pflastern. In Japan sind Tätowierungen das Privileg der Yakuza, deswegen sind tätowierte Gäste unerwünscht, auch wenn der jeweilige Gast ein durchschnittlicher Europäer ist mit einem winzigen Mandala auf der Schulter.

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Quellen:

http://www.origo.hu/egeszseg/20120305-furdes-zuhanyzas-mosakodas-milyen-gyakran-erdemes.html