2017.09.12 - Bäder in den Glücklichen Friedenszeiten (1870-1914)

2017.09.12 - Bäder in den Glücklichen Friedenszeiten (1870-1914)

Bäder in den Glücklichen Friedenszeiten (1870-1914)

Unterhaltung, Baden, Heilen. Die Menschen besuchten damals und besuchen auch heutzutage wegen dieser drei Tätigkeiten ein Bad, obwohl Unterhaltung zur Zeit immer betonter wird. Es lohnt sich kurz nachdenken und einen Blick auf diesen Wandel werfen. Womit verbrachte die verbürgerlichte Gesellschaft in der Glücklichen Friedenszeiten in den Badebecken von zunehmenden Bädern die Zeit? Wovon unterscheidete sich diese Welt im Vergleich zur immer moderneren Badekultur von heute?

Bäder wurden schon seit der Römischen Zeit überall in Karpathenbecken errichten, die goldene Ӓra der Badekultur brach aber in dem XIX. Jahrhundert an. Vor dem ungarischen Freiheitskampf 1848, auch während der Reformzeit, wurden in größerer Zahl Badeanstalte errichten, die für die Vergnügung der vornehmen und bürgerlichen Einwohnerschaft vorgesehen waren. Diese Tendenz setzte sich auch nach den geschichtlichen Stürmen fort. Buziásfürdő, Borszék, Herkules-fürdő, Balatonfüred, Karlsbad, Hévíz, Bártfa: Diese waren die berühmtesten Badeorten der Donaumonarchie Österreich-Ungarn, doch mit den Budapester Bädern konnte keine von diesen konkurrieren. Ihre immer zunehmende Beliebtheit wurde nur durch den Ausbau der Donau-Adria-Bahn abgebrochen, als die Aristokraten fangen an, nach Abkhazia, die heutige Opatija zu reisen.

Die Bäder hebten sich nach den unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichtungen wie Aristokratie, Bürgertum und ärmere Schichten voneinander ab. Natürlich, wollte jede das Bad der oberen Gesellschaftsschichten besuchen, oder mindestens ihre Gewohnheiten nachahmen. Es ist trotzdem eine Tatsache, dass auch dieses Kultursegment wurde durch die Verbürgerlichung angeregt. Das immer wohlhabendere und ausgebildetere Bürgertum brachte zahlreiche Badeorte in der Donaumonarchie zum Blühen.

Bártfa fürdő

Das Baden ging damals vor allem als eine gute Erholungs- und Heilungsmöglichkeit ins allgemeine Bewusstsein hinüber. Die Kurgäste kamen in Badeort zur Saisoneröffnung, meistens am Anfang Juli, meldeten sich beim Badearzt an, wer in dem erstklassigen Bad gemäß der Verordnung der Statthalteramt als Pflichtpersonal angestellt wurde. Der Badegast zahlte danach die Kurtaxe nach seine Gesellschaftsposition ein: Er zahlte also ein Gebühr damit das Bad betrieben konnte. Sein Name kam später auf die Badeliste, die als eine Zeitung jährlich herausgegeben wurde: Die Prominenten auf der Liste galten wohl als die stärksten Anziehungskräfte. Die bekannten Persönlichkeiten waren darum auch von der Kurtaxe befreit. Dem ungarischen Dichter, János Arany gewährte seit 1875 solche Aufmerksamkeit in Karlsbad. Die Summe, was er damit sparte, bat selbstverständlich für wohltätige Zwecken.

Császár fürdőCsászár Bad, Budapest 1870

Die Therapie konnte nach administrativen Formalitäten angefangen werden. Der Badearzt ordnete natürlich neben angemessenen Kurbaden auch Trinkkuren in richtigen Proportionen an. Heilwasser regelmäßig zu trinken war halt selbstverständlich genauso Teil einer Regenerierungskur als das Baden. Zuerst kam die Therapie, nur danach die Unterhaltung. Ein zeitgnössisches „Freibad” schallte nicht von lauten Kindern auf den Rutschen. Die still heilenden Bürger spazierten an die nach Geschlechtern getrennten Badebecken im Park, begrüßten höflich einander, falls es sich schickte. Das Leben im Bad war nicht nur trübselig. Die Badegäste lernten einander kennen, kegelten, spielten Billard, gründeten Vereine. Sie veranstalteten im Rahmen der Vereinen Bälle, organisierten Tombolen, Konzerte und Ausflüge. Der Anna-Ball ist auch solcheine traditionelle Ballveranstaltung in Balatonfüred.

Man badete oft in privaten Badewannen. In einigen Badeorten wartete dutzende von Privatkabinen die reicheren Badegäste. Sie konnten hier die Auswirkung des warmen oder gerade lauwarmen Wassers in einem ähnlichen Baderaum wie ein übliches Badezimmer von heute genießen. In den Badebecken waren Männer und Frauen zusammen, doch gemeinsames Baden war unvorstellbar. Es wurde geschlechtergetrennt gebadet und das Badeordnung schrieb den genauen Annäherungsabstand der Geschlechten zueinander vor. Das Spritzen, Springen und Spucken (!) war verboten. Tja, das Bad war damals noch ein stiller, ruhiger Ort.

Der revolutionäre Wandel der Bademode betrifft auch denselben geschichtlichen Zeitraum, besonders die Badebekleidung der Frauen veränderte sich viel. Das Badegewand verhüllte den ganzen Körper, machte Schwimmen unmöglich und sah überhaupt nicht komisch aus, nicht nur wegen moralischen Gründen, sondern weil die Menschen damals das Schwimmen gar nicht erst ausprobierten. Mit der Entwicklung der Körperkultur, der Emanzipation von Frauen wurden die Badebekleidungen immer kürzer und die Welt langte bis zur Mitte des XX. Jahrhunderts nach unterschiedlichen Skandalen zum Bikini und zu den Freibädern an, wo ein ruhiger Urlaub nicht mehr im Trend blieb.

Fürdőruhák