2017.06.30 - Was ist erlaubt und was nicht in Freibädern?

2017.06.30 - Was ist erlaubt und was nicht in Freibädern?

Was ist erlaubt und was nicht in Freibädern?

Die Freibäder sind abenteuerliche Badeplätze des menschlichen Verhaltens. Im Unterschied zu Seehünden und Pinguinen dringt man in ihren eigenen Freibäder zwar nicht zu engen Plätzen, trotzdem gibt es eine Ӓhnlickeit zwischen den beiden Badesituationen. Die Familien, die wenige Zentimeter voneinander entfernt sind , in der Sonne liegen, essen und sich trocknen sind sehr gute Beispiele für  das Territorialverhalten also wenn man das eigene Terrotorium schützt. Welche Regel lohnt es sich einzuhalten um Baden wirklich zu genießen und nicht die Erinnerungen von Ärger und Streiten nach Hause mitzubringen?

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Die Badekultur hat sich viel in den vergangegen Jahrzehnten auch Land für Land viel verändert und sie ist je gesellschaftlicher Schichten  eben sehr vielfältig. Was aber unverändert blieb und immer das menschliche Verhaltensmuster in Freibädern bestimmte, ist diejenige eigenartige Situation, als sich sehr viele Menschen, sehr nahe zueinander, sehr untergekleidet, sehr gut wohlfühlen möchten um in irgendeinen formlosen, zwanglosen Urzustand zurückzukehren. Es ist leicht zu sagen, nur eine Regel einzuhalten. Wenn man nicht in Schalen von gerösteten Sonneblumenkernen, in Zigarettenkippen  spazieren möchte, dann soll man die nicht selbst wegwerfen. Wenn man nicht erkranken will, dann soll man sich, bevor ins Freibad zu gehen, reinigen. Wenn man nicht will, dass jemand laut in die Ohren heult, dann soll man selbst leise sein.

Es ist wegen der unterschiedlichen Reizschwelle leider nicht so einfach. Was jemandem unkonventionell ist, kann anderem skandalös sein. Was einem empörend ist, bedeutet anderem das Leben selbst.

Széchenyi fürdő

Nudität

Die umstrittensten Verhaltensmuster  sind eindeutig mit der Nudität verbunden. Was und wo darf man gezeigt werden? Darf man sich außerhalb der Ankleidekabine umziehen? Man würde sich  selbst doch nur für einen kurzen Blick aufdecken. Dürfen kleine Kinder nackt sein? Sie sind doch noch Kinder. Dürfen Frauen ihre Oberteile abwerfen? Es ist ja den Männern erlaubt. Darf man seinen Partner in oder neben dem Becken tatschen? Man liebt sich doch einander, kann endlich frei miteinander sein. Es geht zwar nicht um ein intime Zusammensein, trotzdem wird es damit bei den anderen angestoßen. Darf man vor dem Imbiss in einem Bikini Schlange stehen oder es schickt sich, uns ein Badetuch umwickeln? Der Imbiss  ist doch schon fast ein Restaurant. Es ist eine heikle Frage, ob ausschließlich nur einen perfekten Beachbody angezeigt werden darf? Ist es schicklich einander anzustarren? Die Antwort auf diese relativ einfache Frage ist selbstverständlich nein. Man geht ins Freibad nicht um andere anzustarren, auch in dem Fall nicht, wenn ander nur deswegen Freibäder besuchen.

Bademeister

Das Leben wäre ebenfalls einfach, wenn es sich  hinsichtlich der Verhaltensregeln in Freibädern nur um die Einhaltung der Badeordnung handeln würde. In einer Hausordnung werden vor allem Sicherheitsregeln festgestellt. Man hat sich so zu verhalten, dass die Gesundheit anderer Badegäste nicht gefährdet wird: Gehen wir nicht ungewäscht, krank, mit einer offenen Wund ins Becken um keine Infektion zu verbreiten! Misten, rauchen wir nicht! Die Säuglinge sollen wasserfeste Windel anziehen! Es ist in bestimmten Becken vorgeschrieben Bademütze anzuziehen. Die Hausordnung von Freibädern wird von wenigen Menschen sorgfältig durchgelesen .  Nehmen wir, um friedlich miteinander zu leben, die verschiedenen  Aufschrifte, Verbotsschilder ernst. Die allerwichtigste  Grundregeln ist, dass der Hausmeister immer recht hat. Wenn er einen anfordert, sich zu benehmen, dann braucht man ihm zu gehorchen.

Und wenn es sich um eine Hausordnung handelt: Es kann vorkommen, dass die Vorschriften einer Hausordnung je Freibädern unterschiedlich sein können. Was irgendwo erlaubt, anderswo verboten ist. Es gibt Freibäder, wo man sich durch einen Lautsprecher informiert wird, dass sogar Kinder nicht nackt sein dürfen, während es in anderen Plätzen genehmigt wird.

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Nähe

Der höchste Grund für eine Unruhe während Sonnenbades ist nicht die Nacktheit selbst, darüber freut man sich sogar manchmal. Aufgeregt wird man nicht wegen Ungewaschenheit, unser Immunsystem kann sie bewältigen. Wenn zu viele Menschen zusammenschließen, dann erhöht sich die Spannung: Man erträgt kaum die Nähe, Äußerungen fremder Menschen. Es ist ein besondere Rituale, als die Besucher ins Freibad ankommen und einen Badeplatz suchen: entweder nicht zu weit vom Becken, dann sieht man die Kinder nicht, oder nicht zu nahe, dann gibt es wenig Platz und jeder läuft herum.

Die großen Familien sind dazu gezwungen, ihre Badetücher  nebeneinander hinlegen und ausstehen, wie sich die anderen Familie unterhalten, Musik hören, herumlaufen, Wasser tröpfelt, während man lieber lesen oder druseln möchte. Wenn man sich nicht auf dem eigenen Badeplatz, sondern im Wasser oder am Ufer aufhält, dann es gibt da auch Pöbelhaftigkeit, Spucken, Bällen und andere Schwimmer. Es benötigt offensichtlich Toleranz und Weisheit, um die Spannung in Freibädern zu vermeiden. Wohlerzogen soll man auch sein, so werden Freibäder nicht zu einer sozrealen Satire. Wer nicht die Menschenmenge mag, soll eine ruhere Ecke weit von den Becken suchen oder am liebsten  allein an ein verlassene Badestrand Urlaub machen. Es ist überhaupt nicht unmöglich, den goldenen Weg zwischen Rücksichtnahme und Gelöstheit  zu finden und in Freibädern, die als frische Farbflecken von städtischen Sommerurlauben dienen, ausgelassen Spaß zu haben und andere zu respektieren.