2017.05.23 - Ungarn, die Heilwasser-Großmacht – die Geschichte der ungarischen Heilwasser

2017.05.23 - Ungarn, die Heilwasser-Großmacht – die Geschichte der ungarischen Heilwasser

Ungarn, die Heilwasser-Großmacht – die Geschichte der ungarischen Heilwasser

Ungarn ist eine Thermal-, Heil- und Mineralwasser-Groβmacht. Es gibt wenige Orte auf der Welt, wo die aus der Tiefe hervorquellenden Heilwässer in solcher Menge präsent sind. Japan, Island, Kalifornien, Peru, Bali, Italien und die Türkei sind die einzigen – in vulkanischen Regionen gelegenen -Länder, die den Wettbewerb mit Ungarn in Sachen Heil- und Thermalwasser aufnehmen können.

Als Resultat der Vulkantätigkeit gibt es immer auch heiße Quellen, gleichwohl scheinen die Bewohner der oben erwähnten Länder das aus den Rissen und Spalten der Erdkruste heraustretende warme Wasser in den vergangenen Jahrhunderten mit mehr Courage und Enthusiasmus ausgenutzt zu haben, indem sie eine weitreichende Badekultur etablierten. Es gibt zwar keinen Grund zur Beschwerde, man muss jedoch zugeben, dass es eher die sich in Ungarn niederlassenden Fremden waren, die das in den natürlichen Ressourcen liegende Potential stets schneller erkannt haben.

Beppu

Beppu ist einer der außergewöhnlichsten unter den japanischen Badeorten: mit Blick auf das Volumen des herausquellenden Wassers ist es das zweitgrößte Thermalbad der Welt und Japans Nummer Eins. Die Stadt hat knapp 3750 Thermalquellen und etwa 168 Bäder.

Von den Römern bis zu den Österreichern

Die ersten Überlieferungen über den Genuss der auf dem Territorium Ungarns befindlichen Heilwässer stammen von den römischen Besatzern, die in der römischen Siedlung Aquincum und nördlich vom Plattensee populäre Bäder einrichteten. Spätere Überlieferungen aus der Zeit von Kaiser und König Sigismund zeugen von den Bädern in Ofen (heute Buda). Dem Bericht von Galeotto Marzio zufolge erhielten die am Hof von König Matthias aus der Ferne anreisenden Gäste Einladungen in Dampfbäder. Im Jahre 1536 berichtete Miklós Oláh, der Erzbischof von Gran (heute Esztergom) darüber, wie die Bauern und Winzer in dem sich in den Gruben von Felhévíz (etwa „Oberheilquelle“) bei Ofen ansammelnden warmen Wasser regelmäßig badeten. Diese Sitte blieb in der Umgebung des heutigen Lukács Bades über Jahrhunderte hinweg, letztendlich bis zum 19. Jahrhundert erhalten.

Dann kamen natürlich die Osmanen - mit ihrer hochentwickelten und anspruchsvollen Badekultur. Die Baudenkmäler aus dieser Epoche - wie beispielsweise die Kuppelsäle des Rudas, Király und Rác Bades - sind bis zum heutigen Tag in den Bädern von Buda erhalten. Nach der Osmanenherrschaft folgte eine lange Pause, im Anschluss an den österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 jedoch blühte die Badekultur wieder auf: Diesem Aufschwung ist die Entstehung der schönen, auch heute noch existierenden Heilbäder auf der Margareteninsel und im Stadtpark (Városliget) zu verdanken. Als Wahrzeichen der Epoche galt seinerzeit allerdings das Herkulesbad am Unterlauf der Donau, das heute leider in einem sehr schlechten Zustand ist.

Szapáry-fürdő

Das Szapáry Bad zu seiner Blütezeit, im Süd-Siebenbürgen gelegenen Herkulesbad. Das Gebäude steht zwar noch, befindet sich jedoch in einem sehr erbärmlichen Zustand.

Heilbäder sind wieder voll im Trend

Zu sozialistischen Zeiten hat sich die Auffassung verbreitet, Thermalwasser sei nur etwas für Alte mit Rheumabeschwerden. Diesen Gedanken dürfte womöglich auch der damalige Zustand der Bäder genährt haben, in den letzten 20 Jahren hat sich jedoch vieles geändert. In Ungarn (mit seinem wiederbelebten Bürgertum) wird ein Thermalbad nach dem anderen eröffnet - von Zala bis zur Tiefebene. In diese Thermalbäder kehren nicht nur heilsuchende ältere ein. An bewölkten Tagen werden die Erlebnisbäder in der Umgebung vom Plattensee auch von Familien mit Kindern gerne besucht, weil sie stets mit Wasserrutschen ausgestattet und sehr rein sind. Für Touristen, die nach Budapest kommen, ist der Besuch eines der geschichtsträchtigen Thermalbäder ein obligatorischer Programmpunkt. Wandernde können sich und ihre schweren Glieder nach einem ganztägigen, intensiven Ausflug auch am Fuße des Bükk- und Mátra Gebirges in einem Heilbad entspannen. Der ruhige Wellness-Flügel einer Therme kann aber auch zum Schauplatz eines romantischen Rendezvous‘ werden. Die Winterkälte ist für unseren Körper schon an sich ein Stressfaktor, von der seelischen Last der ganzwöchigen Arbeit ganz zu schweigen. Für solche Zeiten eignen sich die sprudelnden Thermen am besten: Mit einigen Freunden in das warme Wasser einzusteigen und über die großen Fragen des Lebens zu diskutieren, tut einfach gut!

Széchenyi fürdő

Das Széchenyi Bad ist mit seinen 21 Becken die größte Badeanlage Budapests und gleichzeitig auch Europas