2017.05.19 - Warum ist Budapest so reich an Heilwasser?

2017.05.19 - Warum ist Budapest so reich an Heilwasser?

Warum ist Budapest so reich an Heilwasser?

Viele andere Weltstädte beneiden die ungarische Hauptstadt Budapest um ihre Lage. Obendrein ist sie nicht nur oberirdisch außergewöhnlich, auch unterirdisch hat die Stadt Einiges zu bieten, denn in der Tiefe liegen Höhlen und daraus hervortretende Thermalquellen. In Budapest werden offiziell 19 unterschiedliche Heilwasser gezählt. Die Thermal- und Heilwässer sind aufgrund der Zusammensetzung und dem Anteil der wasserlöslichen Mineralien, wie auch ihrer Temperatur sehr unterschiedlich.

Széchenyi fürdő

Das Heilwasser des Széchenyi Heilbades gelangt aus dem zweittiefsten Brunnen von Budapest, aus 1246 Metern Tiefe, mit einer Temperatur von 76 °C an die Oberfläche

Einfaches lauwarmes Karstwasser kommt hier ebenso vor, wie thermales Karstwasser; es sind hier jedoch auch thermales Tiefkarstwasser, ferner künstlich angelegte Brunnen zu finden. Beispiele dafür sind die Brunnen auf der Margareteninsel und die Brunnen im Stadtpark Városliget, die das Széchenyi Heilbad mit Wasser speisen. Das Wasser der meisten Budapester Heilbäder ist für die Behandlung von Erkrankungen des Bewegungs- und Gelenksystems geeignet. Das Wasser der mit Trinkbrunnen ausgestatteten Bäder (Széchenyi, Lukács, Rudas) ist bei Problemen der Verdauungsorgane zu empfehlen. Das Wasser des Széchenyi Heilbades kann –nebst zahlreichen weiteren gesundheitlichen Vorteilen - auch dermatologische Beschwerden lindern.

Wenden wir uns nun der Frage zu, wie die vielerlei Heilquellen – die den Reichtum von Budapest mehren - entstanden sind!

Király fürdő

Der Bau des Király Heilbades wurde vom Ofener Pascha Arslan im Jahre 1565 begonnen, und von seinem Nachfolger Mustafa Sokoli beendet. Dieses Heilbad verfügte weder früher noch heute über eine direkte Warmwasserressource. Die Wasserzufuhr wurde damals wie heute aus dem Wassereinzugsgebiet des heutigen Lukács Heilbades gewährleistet.

Die Türken errichteten das Bad fern von den Quellen, um sich den Badegenusses innerhalb der Burgmauern auch für den Fall einer eventuellen Belagerung sicherzustellen.

Ein kurzer geologischer Exkurs

Es ist weitgehend bekannt, dass die Erdkruste unter Ungarn relativ dünn ist. Aus diesem Grund kann die aus der Tiefe der Erde aufwärts strömende Wärme viel einfacher an die Oberfläche gelangen. Während die Temperatur des Bodens anderenorts alle 30 Meter um einen Grad steigt, liegt dieser Wert in Ungarn durchschnittlich bei 20-22 Metern. Zudem wird diese immense Energie von gut isolierenden Gesteinsschichten gedämmt, wodurch die Wärme nur mit Hilfe von Wasser an die Oberfläche strömen kann. Und Wasser ist in der Tiefe reichlich vorhanden. In erster Linie ist dieses Wasser in Form von Karstwasser im Inneren der Berge vorhanden, d.h. der durch die Rinnen des Kalksteingebirges durchsickernde Niederschlag sammelt sich im Inneren des Berges an und taucht am Fuß des Berges wieder auf. In der Tiefe – vor allem im Gebiet der ungarischen Tiefebene – kommt jedoch auch im porösen Gestein gespeichertes Urwasser vor, welches noch in früheren Zeiten der Erdgeschichte eingefangen wurde.

Die Heilkraft des Thermalwassers wird davon bestimmt, welche chemische Zusammensetzung das Gestein hat, durch welches das Wasser auf seinem Weg an die Oberfläche durchsickert und welche Mineralien es aus diesem Gestein löst. Das Budaer Gebirge ist geologisch gesehen eines der komplexesten Gebirge Ungarns: Es besteht aus mehr als 30 verschiedenen Gesteins- und Sedimenttypen und wurde im Verlauf der

Erdgeschichte 220 Millionen Jahre lang geprägt.

Das aktuelle Erscheinungsbild sowie die derzeitige Struktur des Gebirges wurde vor allem von den vor 8-26 Millionen Jahren beginnenden Erosionsprozessen bestimmt, während denen sich in den poröseren kalkigen Teilen des Massivs ein zusammenhängendes Wasserströmungssystem bildete, das mehr als 150 Höhlen im Budaer Gebirge entstehen ließ.

Budapest: die Stadt der Höhlen

In 50-60 Metern Tiefe unter den Gebäuden der Hauptstadt mit 2 Millionen Einwohnern erkundeten Forscher noch Anfang des 21 Jahrhunderts kilometerlange unbekannte Höhlengänge. Die Gesamtlänge der unter dem (auf der Budaer Seite gelegenen) Rózsadomb-Szépvölgy entdeckten Höhlen beläuft sich auf mehr als 33 Km. Ende des 19. Jahrhunderts waren noch wenige große Höhlen bekannt, weil diese – mit Ausnahme des Labyrinths im Burgviertel - keine natürlichen Zugänge hatten. Der Bergbau, die Bau- und Kanalisationsarbeiten legten dann die ersten Abschnitte der später entdeckten großen Höhlen frei. Die größtenteils unter Wasser befindlichen Gänge der János Molnár Höhle wurden von dem Mühlenteich (Ung.: Malom-tó) aus von Höhlentauchern entdeckt. Als derzeit zweitlängste Höhle gilt das Höhlensystem Paulstal-Matthiasberg mit einer Länge von 20,1 Kilometern. Dieses System entstand aus der künstlichen Zusammenlegung von zwei Höhlen: nämlich der Paulstal Höhle (ung. Pál-völgyi barlang) und der Matthiasberg Höhle (ung. Mátyás-hegyi barlang).

Molnár János-barlang

Die János Molnár Höhle am Fuß des Josefberges (ung. József-hegy) ist das größte Unterwasser Grottensystem Ungarns. Durch seine Lage unter der Hauptstadt gilt es auch weltweit als einzigartig.

Quelle: http://www.budai-hegyek.hu/index.php?budaihegyek=geologia

https://hu.wikipedia.org/wiki/Budapest_gy%C3%B3gyf%C3%BCrd%C5%91i